Vortragsveranstaltung des JuFo am 24.01.: Esoterik und Antisemitismus - Vortrag von Ansgar Martins

Mittwoch, 24. Januar 2018 - 19 Uhr - Universität Hamburg, Raum 221 im Westflügel (ESA W) des Hauptgebäudes an der Edmund-Siemers-Allee.

Esoterik und Antisemitismus sind wandelbare und in sich paradoxe Phänomene. Gemeinsam ist ihnen, dass sie in guter Gesellschaft als anstößig und abergläubisch gelten, während sie zugleich in genau dieser Gesellschaft zutiefst verankert sind. Esoterische Sinnsuche wie antisemitische Feindbestimmung mögen als archaisch und irrational erscheinen, es handelt sich aber um zutiefst moderne Phänomene. Sie müssen historisch, sozialpsychologisch und philosophisch auf ihre Eigenlogik hin untersucht werden, statt sie als bloßes Vorurteil – als Mangel an Information – abzutun.

Der Vortrag soll an ausgewählten Beispielen untersuchen, wie sich die esoterische Vorstellung von „höherem Wissen“ und die antisemitische Projektion zur Kippfigur zusammenfügen lassen: Bei vielen einschlägigen Autorinnen und Autoren stößt man auf ein jüdisch codiertes „egoistisches“ oder „materialistisches“ „Prinzip“, das „überwunden“ werden müsse, bevor die spirituelle Harmonie des Alls wiedererlangt werden könne. Besonders seit dem Ersten Weltkrieg finden Esoterik und Antisemitismus im verschwörungsideologischen Gerücht über finstere Mächte und Logen zusammen, die die Weltpolitik manipulieren.

Auch der „Reichsbürger“ unserer Tage erlebt die politisch-ökonomische Gegenwart („BRD-GmbH“) als Besetzung und Einkreisung in mehr oder minder explizit antisemitischen Sinne. Er versucht sich durch Zauberdokumente individuell immun zu machen: Pässe für Phantasiestaaten, die ihren Träger nicht zufällig gerade als „lebendigen, beseelten Menschen“ (o.ä.) ausweisen. Hier geht die esoterische Suche nach Überwindung des Niedrigen und Äußerlichen zugunsten des „wahren“ Selbst ganz praktisch mit Formen paranoider Politik zusammen. Märchen über die „okkulten Wurzeln des Nationalsozialismus“ oder die Satanismus-Hysterie achtziger und neunziger Jahre zeigen aber auch, dass Esoterik selbst vielfach zur Projektionsfläche von und zum Vorwand für verschwörungsideologische und antisemitische Gerüchte wird.

Die Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe der DIG Hochschulgruppe Hamburg im Wintersemester 2017/18.

 
 

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