Vortragsveranstaltung des JuFo am 17.01.: Decolonizing Auschwitz - Vortrag von Steffen Klävers

Mittwoch, 17. Januar 2018 - 19 Uhr - Universität Hamburg, Raum 221 im Westflügel (ESA W) des Hauptgebäudes an der Edmund-Siemers-Allee.

Vortrag & Diskussion mit Steffen Klävers

Decolonizing Auschwitz

Seit einiger Zeit führen die internationalen Geistes- und Sozialwissenschaften im Zeitalter vergleichender Genozidforschung und postkolonialtheoretischen Fragestellungen eine Debatte über vermeintliche (strukturelle, ideologische) Ähnlichkeiten und Kontinuitäten zwischen Kolonialismus, Nationalsozialismus und Holocaust. In vielerlei Hinsicht erinnert diese Debatte an den so genannten Historikerstreit der 1980er Jahre. Ging es im Historikerstreit um die Ursprünglichkeit und Singularität der Shoah vor dem Hintergrund der stalinistischen Gulags sowie um die Frage ihrer Vergleichbarkeit und Gleichsetzung, wird in aktuellen Ansätzen die Frage diskutiert, ob die Forschung strukturelle und ideologische Gemeinsamkeiten des europäischen und speziell deutschen Kolonialismus als ‚Vorläufer‘ und ‚Ideengeber‘ von NS und Holocaust bisher in eurozentrischer Manier ignoriert habe.

Der Versuch einer 'Dekolonisierung' und Einbettung eines Untersuchungsgegenstandes in einen transnational-kolonialen Bezugsrahmen ist damit also auch in der Holocaustforschung angekommen. Untersuchungsgegenstand ist in diesem Fall neben dem nationalsozialistischen Vernichtungsfeldzug in Osteuropa, der als essentiell kolonialer Eroberungskrieg begriffen wird, auch die NS-Judenvernichtung selbst: Die Shoah wird in diesen Ansätzen aus vermeintlicher Sicht der Nazis als 'antikolonialer' oder 'subalterner' Befreiungskrieg beschrieben, die Singularitätsthese des Holocausts als hegemonial abgelehnt und der NS-Antisemitismus im Paradigma des (kolonialen) Rassismus verortet. Über die Probleme eines derartigen Zugriffes soll im Vortrag eingegangen werden.

Steffen Klävers arbeitet an einem von der Hans-Böckler-Stiftung und der Stiftung Zeitlehren geförderten Dissertationsprojekt zu komparativ-postkolonialen Ansätzen in der Holocaustforschung.

Die Veranstaltung ist Teil der Vortragsreihe der DIG Hochschulgruppe Hamburg im Wintersemester 2017/18.

 
 

Informationen des Präsidiums