Freiwilligendienst bei Sar-El

You are in the army now…..mein Freiwilligendienst bei Sar-El

 

Sar-El ist ein waffenloser Freiwilligendienst in den israelischen Streitkräften, der seit 1982 besteht. Sar-El steht jüdischen wie nichtjüdischen Teilnehmern gleichermaßen offen. Die Teilnehmer kommen aus der ganzen Welt. Gute Englischkenntnisse sind daher zwingend erforderlich (www.sar-el.org).

 

Nun war er doch endlich wahr geworden, mein lang ersehnter dreiwöchiger Freiwilligendienst bei Sar-El im August 2013. Nach einer Arztuntersuchung, Einholung einer Referenz von der Deutsch-Israelischen Gesellschaft sowie meines Arbeitgebers, Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses und einem Vorstellungsgespräch bei der Jewish Agency for Israel flog ich nun in freudiger Erwartung nachts mit der LOT Polish Airlines von Hamburg über Warschau nach Tel Aviv. Ich kam um vier Uhr morgens in Tel Aviv an, der Ben-Gurion-Flughafen erwachte allmählich zum Leben. Vereinbarter Treffpunkt für alle Sar-El Freiwilligen war der Swarowski Booth, eine Juwelierverkaufsstelle in der Ankunftshalle. Mit der Zeit fanden sich immer mehr Teilnehmer ein und zum Schluss auch Pamela, die Koordinatorin von Sar-El. Die Teilnehmer wurden in Gruppen eingeteilt. Jede Gruppe wurde dann von der jeweiligen Madricha, einer jungen und attraktiven Soldatin, in Empfang genommen. Die Madricha war für die Betreuung der Gruppe während des gesamten Aufenthaltes zuständig. Hillary, die Madricha meiner Gruppe, führte uns dann zu dem Bus, der uns zur Base brachte. Ich war voller gespannter Erwartung. Der Bus erreichte pünktlich zum Abendessen die Base. Nach Ankunft auf der Base wurden wir auf die Unterkünfte verteilt sowie in die Uniform (Hose, Gürtel, Hemd) eingekleidet. Jetzt fühlte ich mich an den Song von Status Quo erinnert: You are in the army now. Die Teilnehmer meiner „Truppe“ kamen aus den USA, Australien, Tschechien, Norwegen, Dänemark, Niederlande, Österreich und Deutschland. Bei der Vorstellungsrunde nach dem Abendessen erhielt jeder Freiwillige ein T-Shirt mit dem Aufdruck „Sar-El“ sowie eine Baseballkappe.

 

Die Arbeitstage begannen mit dem gemeinsamen Frühstück um 07:30 Uhr, gefolgt von dem Fahnenappell um 08:30 Uhr, danach Arbeit bis zur Mittagspause, nach Ablauf der ca. einstündigen Mittagspause wieder Arbeit bis ca. 16:30 Uhr, Abendessen um 18:30 Uhr und zum Abschluss die evening activity um 19:30 Uhr. Alle Mahlzeiten nahmen wir in der Mannschaftskantine mit den anderen Soldaten der Base ein. Der morgendliche Fahnenappell erfolgte ebenfalls mit anderen Soldaten der Base. Einer aus der Gruppe musste dann die israelische Flagge hissen und danach salutieren, was ich auch einmal getan hatte. Nach einem Fahnenappell in der ersten Woche erhielten wir von Hillary die blauen Schulterklappen für die Uniform. Danach wurden wir von Hillary zur Arbeit eingeteilt. Ich hatte u.a. auch in der Waffenkammer gearbeitet, wo ich Gewehre auseinander genommen, gereinigt und wieder zusammen gebaut hatte. Weitere Arbeiten waren z.B. Reinigen von Werkzeugen und Werkzeugkästen, Sortieren von Ausrüstungsgegenständen, Beschneiden von Büschen und kleinen Bäumen vor Lagerhäusern und Schreddern von alten Manöverlandkarten. An einem Tag  besuchte uns sogar der Chairman von Sar-El bei der Arbeit, um jedem/ jeder einzelnen Freiwilligen persönlich für seinen/ ihren Einsatz zu danken. Die evening activity war immer sehr informativ. Wir erhielten von Hillary nähere Informationen zum Iron Dome, zum Sechs-Tage-Krieg sowie zum Yom-Kippur-Krieg, über die Organisation und Struktur der Israeli Defence Forces (IDF), absolvierten einen Schnellkurs in einfachen hebräischen Redewendungen oder veranstalteten einen Israel-Quiz. An dieser Stelle sei erwähnt, dass die israelische Armee eine sog. educational unit unterhält, in der junge Militärdienstleistende, die aus sozial schwierigen Verhältnissen und ohne Schulabschluss zur Armee gekommen sind, einen Schulabschluss nachholen können. Nach der evening activity spielten wir oftmals noch Karten oder unterhielten uns einfach nur angeregt. Des Weiteren besuchten wir an einem Tag auch das Freilichtmuseum der Golani-Brigade, die 1948 in Galiläa aufgestellt worden war.

 

Die Wochenenden verbrachten wir in Tel Aviv und übernachteten dort im Beit Oded, einem Hostel der Armee. Hier traf man ebenfalls auf Sar-El Freiwillige aus aller Welt, die auf anderen Bases eingesetzt waren. Tagsüber sahen wir uns die Sehenswürdigkeiten Tel Avivs an oder lagen einfach am Strand. Abends genossen wir die warmen Nächte in geselliger Runde und tauschten Erfahrungen und Anekdoten aus. Man musste aber aufpassen, dass man die Zeit nicht vergaß, denn das Hostel schloss um Mitternacht seine Türen. Zu unserer Legitimation hatten wir von Hillary Sar-El Ausweise bekommen, die wir bei Betreten des Hostels der diensthabenden Soldatin vorzeigen mussten. Am Sonntagmorgen nach Ableisten der cleaning duty verließen wir das Hostel und trafen uns mit den Freiwilligen, die nicht im Beit Oded übernachtet hatten, vor McDonald`s im vierten Stock des Busbahnhofes von Tel Aviv wieder, um zurück zur Base zu fahren. Der Armeeshop im Busbahnhof  ist immer einen Besuch wert. Dort gibt es spezielle shoulder tags mit dem Sar-El Emblem, die man an die Uniform anbringen kann.

 

Leider geht jede schöne Zeit einmal zu Ende. Am letzten Abend auf der Base verlieh Hillary jedem von uns die Sar-El Anstecknadel und überreichte jedem eine Dankesurkunde. Am nächsten Morgen hieß es dann Abschied nehmen von der Base, die uns so herzlich aufgenommen hatte und wo ich mich vom ersten Moment an heimisch gefühlt hatte. Ich hatte unter den Freiwilligen und den Soldaten auf der Base viele nette und interessante Leute kennen gelernt. Nach Vornahme von letzten Gruppenfotos und Verabschiedung durch den Base Commander bestiegen wir den Bus, der uns nach einem kurzen Zwischenstopp in der Stadt Zichron Ya´acov nach Tel Aviv brachte. Als der Bus durch das Tor der Base fuhr, machte sich bei mir ein Gefühl der Wehmut breit. In Tel Aviv am Busbahnhof trennten sich dann endgültig unsere Wege.

 

Nach einem letzten ruhigen Tag am Frishman Beach in Tel Aviv hieß es dann für mich, endgültig Abschied zu nehmen von Israel. Als die Maschine der LOT Polish Airlines in den frühen Morgenstunden des nächsten Tages Richtung Warschau abhob und ich Tel Aviv unter mir im Morgengrauen sah, das Land, an dessen Verteidigung ich drei Wochen mitgewirkt hatte, wusste ich ganz genau, dass ich mich wieder für ein Sar-El Programm im nächsten Jahr bewerben würde. Ganz bestimmt.

 

Ich habe viele schöne und gute Erinnerungen mit nach Hause genommen. Es erfüllt mich mit Stolz, dass Sar-El  mir die Chance gegeben hat, einen aktiven Beitrag zur Sicherheit und Verteidigung Israels leisten zu können. Ferner habe ich es als Deutscher als große Ehre empfunden, in den israelischen Streitkräften einen Freiwilligendienst ableisten zu dürfen. Die israelische Armee hat in mir einen Freund gefunden.

 

Holger Pohl

 


 
 

Informationen des Präsidiums